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34_ELS/ELS-Areal in Memmingen, Wettbewerb
 

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Ideen- und Realisierungswettbewerb Elsbethenareal- Schrannenplatz, Memmingen


mit jbbug urbane gestalt
Büro für Landschaftsarchitektur


Elsbethenareal
Das Elsbethenareal grenzt an die wichtigsten Freiraumachsen der Altstadt an, auf dem Schrannenplatz bilden die Stadtbachspange und die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Fußgängerzone einen wichtigen Schnittpunkt. Der Schrannenplatz ist ein Anfangspunkt der Fußgängerzone und liegt als großer Platz auf einer Abfolge von Plätzen entlang des Stadtbaches. Für das Elsbethenareal und die fußläufigen städtischen Räume sind diese Anknüpfungspunkte von besonderer Relevanz. Schrannenplatz und Theaterplatz sind dementsprechend als die wesentlichen Zugangsbereiche des öffentlichen Raums an das Elsbethenareal ausgebildet. Die umliegende Bebauung, die im Wesentlichen durch giebelständige Hauszeilen gebildet wird, endet jeweils mit einem Kopfbau zu den Plätzen hin. Die Blöcke werden nicht durch Eckgebäude geschlossen.
Dementsprechend wird die Bebauung weiterentwickelt. Das Raumprogramm und die erwartete Kubatur werden in die im Umfeld vorgefundenen Typologien integriert. Die Nachahmung des Umfeldes (Mimikry) ermöglicht eine harmonische Integration des zu erbauenden Volumens in den heterogenen Bestand bei guter Funktionalität. In der äußeren Erscheinung wird diese volumetrische Nachahmung durch Reduktion und Abstraktion der Gestaltungselemente so minimalisiert, dass das Gebäudeensemble unmissverständlich als ein Theaterkomplex wahrgenommen werden kann. Die Fassadenöffnungen orientieren sich an der vorgefundenen Maßstäblichkeit der Nachbarbebauung, sie bilden diese auf einer enthierarchisierten Fläche ab. Mit ihren rahmenlosen Öffnungen und eloxiertem weiß Aluminium sind sie scheinbar entmaterialisiert. Aus den Spannungen zwischen Raumprogramm und Mimikry entstehen spezifische identitätsbildende Außen- wie Innenräume.
Elsbethenhof und Theaterhof, die entstehenden Innenhöfe sind öffentlich zugänglich in das Gewebe der Altstadt eingebunden. Sie unterscheiden sich in Ausstattung und Anmutung. Es sind nach Innen bezogene Räume, die von Bäumen überstandene Flächen für Aufenthalt und Erschließung bieten. Die Gebäudestellung erzeugt schmale Zugänge als Eingang in die Höfe, durch Wechsel des Bodenbelags bilden sich zudem Schwellen, die die Abfolge öffentlicher Räume unterschiedlicher Wertigkeit sinnlich erfahrbar machen. Die kontrastierende Formulierung steinernen Straßenzüge und offener, grüner Höfe geschieht in bewusster Ergänzung der im historischen Bestand vorgefundenen Qualitäten. Der Elsbethenhof soll mit einer Außengastronomie und den räumlich beherrschenden Platanen als Ort des Aufenthaltes gestärkt werden. Der Theaterhof ist durch vielfältige Erschließungsfunktionen als offener, schlicht ausgestatteter Raum entworfen, der dem Herausleben des Theaterbetriebes ideale Bedingungen schafft und durch die gute Vernetzung mit drei Zugängen als urbaner Raum, im Sinne von lebendig und wechselhaft entworfen ist.
Schrannenplatz
Der Schrannenplatz ist der südliche Fokalpunkt im Stadtgrundriss der Altstadt, er dient als Auftakt der Einkaufsstadt, bindet den kulturellen Schwerpunkt Elsbethenareal an und stellt als Ort besonders hoher städtebaulicher Qualität einen wichtigen Baustein in der Perlenkette entlang des Stadtbaches dar. Auf dem Schrannenplatz setzt sich der homogene Stadtboden der Fußgängerzone, der von Norden kommend Weinmarkt, Rossmarkt und Theaterplatz einschließt fort. Das mittelformatige Natursteinpflaster, im richtungslosen Verband verlegt, ermöglicht die Verschneidung der vielen Bezugslinien, die aus den Straßenfluchten, den Fluchten der Gebäudezeilen und dem Verlauf des Stadtbachs entstehen. Der durchgehende Belag erstreckt sich jeweils ein Stück in die angrenzenden Räume hinein, um trotz der komplexen Geometrie des Platzes alle hier zusammentreffenden Stränge einzubinden. Der Belagswechsel zeigt den Zugang auf den Schrannenplatz an, er fällt jeweils räumlich zusammen mit dem Erreichen eines Standpunktes, von dem aus das Blickfeld sich öffnet und die Raumdefinition durch die unterschiedlichen und hochwertigen Fassaden erkennbar wird.
Der Fischerbrunnen im Zentrum des Platzes wird erhalten und damit die Abfolge von Brunnenplätzen in der Altstadt gestärkt. Metallisch glänzende Sondersteine im Belag verdichten sich zum Brunnen hin, lassen in Übermut verspritzte Wassertropfen oder glänzende Schuppen von den Fischern gefangener Fische vermuten.
An den Mündungsbereichen des unter dem Schrannenplatz geschlossen geführten Stadtbaches entsteht hohe Aufenthaltsqualität, das Erlebnis des reflektierenden, gluckernden Bachs wird an steinernen Brüstungsbauwerken und zugeordneten Sitzbänken erlebbar; zusätzlich erzeugt die Diagonalbeziehung der zwei wiederkehrenden, ausgerichteten Bachplätze Orientierung im Bezug auf das wichtige Freiraumelement Stadtbach.
Funktional wird der großzügige, gut belichtete Nordteil des Schrannenplatz für Fußgänger und Radfahrer reserviert, der südliche Teil integriert die Lindentorstraße in seine Oberfläche, bietet einige Stellplätze und eine Taxispur, die für die Lebendigkeit des Platzes einen wichtigen Beitrag leisten. Räumlich ist ein zusammenhängender Raum, ein edler Stadtplatz ablesbar. Eine Reihe Mastleuchten bildet die funktionale Trennung transparent und nachvollziehbar ab und erwirkt aus zentraler Position einen weiten Eindruck des großen Stadtraums.