![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Ideen- und Realisierungswettbewerb Elsbethenareal- Schrannenplatz, Memmingen
mit jbbug urbane gestalt
Büro für Landschaftsarchitektur
Elsbethenareal
Das Elsbethenareal grenzt an die wichtigsten Freiraumachsen der Altstadt an,
auf dem Schrannenplatz bilden die Stadtbachspange und die in Nord-Süd-Richtung
verlaufende Fußgängerzone einen wichtigen Schnittpunkt. Der Schrannenplatz
ist ein Anfangspunkt der Fußgängerzone und liegt als großer
Platz auf einer Abfolge von Plätzen entlang des Stadtbaches. Für
das Elsbethenareal und die fußläufigen städtischen Räume
sind diese Anknüpfungspunkte von besonderer Relevanz. Schrannenplatz
und Theaterplatz sind dementsprechend als die wesentlichen Zugangsbereiche
des öffentlichen Raums an das Elsbethenareal ausgebildet. Die umliegende
Bebauung, die im Wesentlichen durch giebelständige Hauszeilen gebildet
wird, endet jeweils mit einem Kopfbau zu den Plätzen hin. Die Blöcke
werden nicht durch Eckgebäude geschlossen.
Dementsprechend wird die Bebauung weiterentwickelt. Das Raumprogramm und die
erwartete Kubatur werden in die im Umfeld vorgefundenen Typologien integriert.
Die Nachahmung des Umfeldes (Mimikry) ermöglicht eine harmonische Integration
des zu erbauenden Volumens in den heterogenen Bestand bei guter Funktionalität.
In der äußeren Erscheinung wird diese volumetrische Nachahmung
durch Reduktion und Abstraktion der Gestaltungselemente so minimalisiert,
dass das Gebäudeensemble unmissverständlich als ein Theaterkomplex
wahrgenommen werden kann. Die Fassadenöffnungen orientieren sich an der
vorgefundenen Maßstäblichkeit der Nachbarbebauung, sie bilden diese
auf einer enthierarchisierten Fläche ab. Mit ihren rahmenlosen Öffnungen
und eloxiertem weiß Aluminium sind sie scheinbar entmaterialisiert.
Aus den Spannungen zwischen Raumprogramm und Mimikry entstehen spezifische
identitätsbildende Außen- wie Innenräume.
Elsbethenhof und Theaterhof, die entstehenden Innenhöfe sind öffentlich
zugänglich in das Gewebe der Altstadt eingebunden. Sie unterscheiden
sich in Ausstattung und Anmutung. Es sind nach Innen bezogene Räume,
die von Bäumen überstandene Flächen für Aufenthalt und
Erschließung bieten. Die Gebäudestellung erzeugt schmale Zugänge
als Eingang in die Höfe, durch Wechsel des Bodenbelags bilden sich zudem
Schwellen, die die Abfolge öffentlicher Räume unterschiedlicher
Wertigkeit sinnlich erfahrbar machen. Die kontrastierende Formulierung steinernen
Straßenzüge und offener, grüner Höfe geschieht in bewusster
Ergänzung der im historischen Bestand vorgefundenen Qualitäten.
Der Elsbethenhof soll mit einer Außengastronomie und den räumlich
beherrschenden Platanen als Ort des Aufenthaltes gestärkt werden. Der
Theaterhof ist durch vielfältige Erschließungsfunktionen als offener,
schlicht ausgestatteter Raum entworfen, der dem Herausleben des Theaterbetriebes
ideale Bedingungen schafft und durch die gute Vernetzung mit drei Zugängen
als urbaner Raum, im Sinne von lebendig und wechselhaft entworfen ist.
Schrannenplatz
Der Schrannenplatz ist der südliche Fokalpunkt im Stadtgrundriss der
Altstadt, er dient als Auftakt der Einkaufsstadt, bindet den kulturellen Schwerpunkt
Elsbethenareal an und stellt als Ort besonders hoher städtebaulicher
Qualität einen wichtigen Baustein in der Perlenkette entlang des Stadtbaches
dar. Auf dem Schrannenplatz setzt sich der homogene Stadtboden der Fußgängerzone,
der von Norden kommend Weinmarkt, Rossmarkt und Theaterplatz einschließt
fort. Das mittelformatige Natursteinpflaster, im richtungslosen Verband verlegt,
ermöglicht die Verschneidung der vielen Bezugslinien, die aus den Straßenfluchten,
den Fluchten der Gebäudezeilen und dem Verlauf des Stadtbachs entstehen.
Der durchgehende Belag erstreckt sich jeweils ein Stück in die angrenzenden
Räume hinein, um trotz der komplexen Geometrie des Platzes alle hier
zusammentreffenden Stränge einzubinden. Der Belagswechsel zeigt den Zugang
auf den Schrannenplatz an, er fällt jeweils räumlich zusammen mit
dem Erreichen eines Standpunktes, von dem aus das Blickfeld sich öffnet
und die Raumdefinition durch die unterschiedlichen und hochwertigen Fassaden
erkennbar wird.
Der Fischerbrunnen im Zentrum des Platzes wird erhalten und damit die Abfolge
von Brunnenplätzen in der Altstadt gestärkt. Metallisch glänzende
Sondersteine im Belag verdichten sich zum Brunnen hin, lassen in Übermut
verspritzte Wassertropfen oder glänzende Schuppen von den Fischern gefangener
Fische vermuten.
An den Mündungsbereichen des unter dem Schrannenplatz geschlossen geführten
Stadtbaches entsteht hohe Aufenthaltsqualität, das Erlebnis des reflektierenden,
gluckernden Bachs wird an steinernen Brüstungsbauwerken und zugeordneten
Sitzbänken erlebbar; zusätzlich erzeugt die Diagonalbeziehung der
zwei wiederkehrenden, ausgerichteten Bachplätze Orientierung im Bezug
auf das wichtige Freiraumelement Stadtbach.
Funktional wird der großzügige, gut belichtete Nordteil des Schrannenplatz
für Fußgänger und Radfahrer reserviert, der südliche
Teil integriert die Lindentorstraße in seine Oberfläche, bietet
einige Stellplätze und eine Taxispur, die für die Lebendigkeit des
Platzes einen wichtigen Beitrag leisten. Räumlich ist ein zusammenhängender
Raum, ein edler Stadtplatz ablesbar. Eine Reihe Mastleuchten bildet die funktionale
Trennung transparent und nachvollziehbar ab und erwirkt aus zentraler Position
einen weiten Eindruck des großen Stadtraums.